Was rum- & rausgekommen ist

13 unabhängige VerlegerInnen haben ihre Haare, Brillen, Hemden und ihre roten Socken zur Verfügung gestellt, vier Wochen haben wir Euch basteln lassen, 101 Bastelsets standen zur Verfügung.

 

Seit dem Frühjahr transportieren ein Dutzend Bücherbeutel die unabhängige Bücherbeute durch die Republik, wurden zehn Postkartensets und zwei Paar rote Socken ausgeliefert. Und ein Superverleger ziert ein Leipziger Zimmer. Ein weiterer schaut dem Direktor der Leipziger Buchmesse Oliver Zille bei seiner Arbeit (auch für die unabhängigen Verlage) über die Schulter. 

 

Eingenommen haben wir durch unsere SuperverlegerInnen-Kampagne knapp 1.000 Euro, weitere 500 Euro kamen durch Spenden hinzu. Mission erfüllt - AutorInnen entlohnt!

Warum wir den/die SuperverlegerIn gebastelt haben

Wer liest, soll dafür entlohnt werden. Aber die UV-Eintrittsgelder reichen für faire AutorInnenhonorare nicht aus. Und weil wir nicht wollen, dass die AutorInnen ihr letztes Hemd geben, haben wir die VerlegerInnen gebeten, sich mit Haut und Haaren und ihrem letzten Hemd zu Markte zu tragen. Um daraus den/die SuperverlegerIn zu basteln. Damit wir einen haben, der die Rechnung zahlt. Damit es nicht die 18 AutorInnen der 6. UV – die Lesung der unabhängigen Verlage am 13. März 2015 sind, die den Preis für die Unabhängigkeit zahlen. Nicht der Illustrator, der zwei Tage am UV-Plakat sitzt, statt einen bezahlten Job anzunehmen. Nicht die üblichen Verdächtigen, die an der Kasse Tickets verkaufen, AutorInnen zum Bahnhof kutschieren, Brötchen schmieren und Getränke verkaufen. Statt als KellnerIn, BabysitterIn oder Nachhilfe zu jobben. Nicht die ModeratorInnen, die Autorenbiographien auswendig lernen, sich auf Texte vorbereiten und vier Stunden lang gute Stimmung und kluge Gedanken verbreiten. Statt ihren Brotjobs nachzugehen.Damit wir ein Jahr Zeit gewinnen, darüber nachzudenken, was uns die Unabhängigkeit wert ist. Und zu welchem Preis sie zu haben ist.

 


 



 

Warum wir es satt haben

„Erhöhen Sie doch einfach die Preise…“, lautete der wohlmeinende Ratschlag, der zusammen mit dem abschlägigen Bescheid auf einen unserer Fördermittelanträge für die 6. UV - die Lesung der unabhängigen Verlage bei uns einging.

 

Genau das tun wir jetzt. Die Preise erhöhen. Aber nicht die Eintrittspreise der UV –Lesung. Sondern den Preis für die Unabhängigkeit. Denn: Ein Verleger, wie ihn sich manche Förderinstitution vorstellt, will erst noch gebastelt werden. Denn: wir haben es satt, Selbstausbeutung als `Ehrenamtliches Engagement´ zu verkaufen. Wir haben es satt, Freunde, Künstler und andere prekär Beschäftigte anzubetteln. Wir haben es satt, unter Ausbeutung aller Beteiligten Literaturveranstaltungen auf die Beine zu stellen, denen das Etikett `förderungswürdig´ anhaftet. Die aber ab dem dritten oder vierten Jahr keine Förderung mehr erhalten. Wir haben es satt, anstelle von Fördermitteln den Ratschlag zu bekommen, doch die Eintrittspreise zu erhöhen.

 

 

Wir haben es nicht satt, kulturellen Mehrwert zu schaffen. Wir haben es nur satt, diesen Mehrwert schweigend und im Verborgenen zu basteln, statt über Produktionsbedingungen zu sprechen. Statt darüber zu sprechen, wer den Preis zahlt, wenn Bund, Land und Kommune ihrem Kulturförderauftrag nicht glaubwürdig nachkommen.