Foto: Harry Schnitger
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Sebastian Guggolz

 

1982 geboren, hat nach einigen Jahren als Lektor 2014 in Berlin den Guggolz Verlag gegründet. Er verlegt vergessene und übersehene Klassiker aus Nord- und Osteuropa in neuer Übersetzung, wofür der Verlag mittlerweile mit dem Kurt Wolff Förderpreis und der Übersetzerbarke ausgezeichnet wurde.

 

 


Foto: Guggolz Verlag
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James Leslie Mitchell

 

1901–1935, wurde in der Nähe von Auchterless, Aberdeenshire in Schottland als Sohn eines Kätners geboren. Schon im Alter von sechzehn Jahren verließ er die höhere Schule und arbeitete als Journalist für Zeitungen in Aberdeenshire und Glasgow. Gleichzeitig beteiligte er sich schon damals an der Gründung des Aberdeener Sowjets, der sich in Anlehnung an die Russische Revolution bildete. Nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle ging er zuerst nach Glasgow, trat jedoch kurz darauf in die Armee ein. Als kleiner Verwaltungsangestellter bei den Militärbehörden war er im Nahen Osten, Indien und Ägypten stationiert. In dieser Zeit begann er, Kurzgeschichten, Romane und Bücher über Entdeckungen und Entdecker zu schreiben. Nach der Entlassung aus der Armee 1929 ließ er sich als freiberuflicher Autor in Welwyn Garden City, dem zweiten "Gartenstadtprojekt" Englands, nieder und engagierte sich publizistisch in der politischen Linken. Er veröffentlichte, teilweise auch unter seinem Pseudonym Lewis Grassic Gibbon, bis zu seinem Tod 1935 zahlreiche Artikel und Bücher, darunter der Roman "Sunset Song", der ihn über die Grenzen Schottlands hinaus berühmt machte.

 


Foto: Guggolz Verlag
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Antanas Škėma

 

1910–1961, wurde im damals zum Russischen Reich gehörenden polnischen Łódź geboren, wohin sein Vater, ein litauischer Lehrer, versetzt worden war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs floh die Familie ins russische Hinterland, Škėma durchlebte eine traumatische Kindheit, zunächst in Woronesch und dann während der russischen Revolution in der Ukraine. 1921 kehrte die Familie in das nun unabhängige Litauen zurück. 1929 begann Škėma in Kaunas Medizin, später Jura zu studieren. Ab 1935 widmete er sich zunehmend dem Theater, er arbeitete als Schauspieler, später auch als Regisseur am Staatstheater Vilnius. 1944 floh er vor der sowjetischen Besatzung nach Deutschland, wo er, wie Zehntausende seiner Landsleute, mehrere Jahre in Displaced Persons Camps lebte. 1947 veröffentlichte Škėma einen Kurzgeschichtenband und verfasste erste Dramen, 1949 siedelte er in die USA über, wo er seinen Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter und Liftboy verdiente. In litauischen Exilkreisen engagierte er sich im Theater, verfasste zahlreiche Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften der Emigrantenpresse und publizierte zwei weitere Novellenbände, Essays und Gedichte. Wegen seiner existenziellen Themen wird Škėma als „litauischer Camus“ bezeichnet. 1961 starb er bei einem Autounfall in Pennsylvania.

 


Foto: Guggolz Verlag
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Ion Luca Caragiale

 

1852 – 1912, wurde im kleinen Dorf Haimanale, nahe Ploieşti, geboren, das heute zu seinen Ehren I. L. Caragiale heißt. Er besuchte Volksschule und Gymnasium und nahm ab 1868 an dem von seinem Onkel Costache geleiteten Konservatorium in Bukarest Schauspielunterricht. Als 1870 sein Vater starb, musste Caragiale für die Familie aufkommen. Er arbeitet als Souffleur am Bukarester Nationaltheater, als Übersetzer und als Journalist bei Zeitungen und satirischen Zeitschriften. Im Jahr 1888 wurde er zum Generaldirektor für das Theaterwesen ernannt. Diese Stellung behielt er allerdings nur für ein Jahr. Zwischen 1878 und 1890 schrieb Caragiale vor allem Dramen, ab dann verfasste er zahlreiche Novellen und Erzählungen. 1891 verweigerte ihm die Rumänische Akademie die Aufnahme. Gekränkt eröffnete er eine Gaststätte im Bukarester Händlerviertel. Aufgrund einer Erbschaft konnte er nach Westeuropa reisen. 1904 zog er mit seiner Familie nach Berlin, wo er weitere Bände mit kurzen Geschichten veröffentlichte. 1912 starb er in Berlin. Sein Leichnam wurde nach Bukarest überführt, zu seiner Beerdigungsfeier kosteten alle Bahnkarten des Landes nur die Hälfte.

 


Foto: Guggolz Verlag
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Boris Poplawski

 

1903–1935, wurde in Moskau in eine polnisch-litauische Adelsfamilie geboren. Er wuchs zweisprachig (russisch und französisch) auf und besuchte ein französisches Gymnasium in Moskau. Nach der Revolution 1917 verließ er mit seinem Vater Moskau; während des Bürgerkrieges emigrierte die Familie und gelangte via Konstantinopel 1921 nach Paris. Für ein Kunststudium zog es ihn 1922 vorübergehend nach Berlin, wo er unter anderem auf Boris Pasternak und Viktor Schklowskij traf; zurückgekehrt nach Paris widmete er sich vorwiegend der Literatur. 1931 erschien "Fahnen", sein einziger Gedichtband zu Lebzeiten. Neben Gedichten schrieb Poplawski Artikel, Kunst- und Buchkritiken sowie zwei Romane. Auszüge aus dem ersten, "Apoll Besobrasow", erschienen 1932 in Exilzeitschriften, der zweite, "Zurück aus dem Himmel", wurde erst postum veröffentlicht. Der schillernde und berüchtigte Boris Poplawski fasste nie Fuß in der Pariser Gesellschaft, litt an Depressionen und experimentierte mit Drogen, 1935 starb er gerade einmal 32-jährig in Paris an einer Überdosis. Bis heute blühen Spekulationen um seinen frühen Tod. War es Selbstmord, ein Unfall, Mord – oder gar nur ein vorgetäuschter Tod?